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Demographie und Volkswirtschaft. Die demographische Entwicklung in Deutschland und Europa mit ihren katastrophalen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.


Die Rente der Zukunft - familienfreundlich, generationengerecht und solidarisch.


Der folgende Text aus: Weiss, Volkmar: Die IQ-Falle: Intelligenz, Sozialstruktur und Politik. Graz: Leopold Stocker 2000, S. 282f.


Wie wäre es denn einem deutschen Spitzenpolitiker in den letzten Jahren gegangen, der unverblümt die Wahrheit ausgesprochen hätte, daß es zu einer fundamentalen Umverteilung zuungunsten der Rentner und Kinderlosen und zugunsten der deutschen (Nicht-Unterschicht-)Familien mit Kindern kommen müsse und einer Umverteilung zuungunsten des Konsums zugunsten von Investitionen und Forschungsinvestitionen? Dieser Politiker wäre am längsten Spitzenpolitiker gewesen, die Mehrheit des Wahlvolkes hätte ihn, wenn sie die Auswirkungen am eigenen Leib zu spüren bekommen hätten, bei der nächsten besten Gelegenheit seine Stimme entzogen. Nein, es geht dem deutschen Volk und den (west)europäischen Völkern noch viel zu gut für ein Umdenken. Erst wenn der globale Wettbewerb die Lebenshaltungskosten dramatisch erhöhen wird und wenn die Kosten für die Bekämpfung von Armut und Kriminalität im Land immer unbezahlbarer werden, wenn der Bürgerkrieg, der - schleichend - mit der Polizeirazzia gegen Drogendealer, der Kameraüberwachung von öffentlichen Plätzen, dem Abhören von Privattelefonen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen, dem Aufspüren von illegalen Einwandereren und Arbeitern -  schon längst begonnen hat - erst wenn das alles so sehr Alltag wird, daß es für sehr viele zu einer alltäglichen Last und Bedrohung geworden ist, so wie es heute schon in einigen Städten und Stadtvierteln Last und Bedrohung ist, erst dann werden Politiker sich Gehör verschaffen können, die Abhilfe fordern und wirksame Verhaltensänderungen vorschlagen, Politiker, die für neue oder sehr alte Werte eintreten werden. Wenn man die Trends von heute richtig deutet, dann wird dieser Zustand in etwa 10 bis 15 Jahren eintreten. Bis etwa zum Jahre 2005 ist die Abnahme der Erwerbslosenzahl nicht gravierend, erst dann beginnen die eigentlichen Probleme. Erst nach 2005 wird die demographische Schrumpfung des deutschen Volkes im besonderen und der europäischen Völker im allgemeinen ihre volle Eigendynamik entfalten. Die Lohnnebenkosten werden dramatisch steigen bzw. unbezahlbar werden, und die globale Wettbewerbsposition der deutschen Wirtschaft wird sich ständig weiter und dramatisch verschlechtern. In einer freien Wirtschaft ist es für Unternehmen rational, die absehbaren Kostenzuwächse durch Produktionsverlagerungen ins Ausland zu vermeiden. Auf diese Weise würde unser soziales Sicherungssystem über eine höhere Arbeitslosigkeit noch mehr belastet. Ein Szenario, das schon in Gang gekommen ist. Die hohen Lohnnebenkosten beginnen eine Kapitalexportspirale auszulösen, an deren Ende die wirtschaftliche und politische Katastrophe stehen kann.

Es ist die Ironie der Geschichte, daß notwendige Reformen nur mit der Unterstützung einer breiten Bevölkerungsmehrheit durchsetzbar sind und deshalb einer „linken“ oder „nationalen“ Mehrheit bzw. „neuen Mitte“ bedürfen, die dann auch entsteht, sobald die dumpfe Ahnung, daß doch irgendwelche Änderungen notwendig sind und sei es auch nur, um die schon vorgenommenen Einschränkungen erst einmal  wieder rückgängig zu machen, eine Mehrheit erfaßt.

Unter der treffenden Überschrift „Wir tun heute zuviel für die Alten und zu wenig für die Jungen“ schrieb 1996 der damalige Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen J. Fischer, heute Außenminister der Bundesrepublik Deutschland: „Die reiche Single-Gesellschaft tut sich schwer damit, daß geteilt werden muß, daß Zukunftsinvestitionen auch eine Teilhabe kommender Generationen am heutigen Reichtum sind. ... Es ist doch ein Irrtum zu glauben, daß man das später wiederbekommt, was man einmal eingezahlt hat. Vielmehr muß es in dem Jahr, in dem es konsumiert wird, auch verdient werden. Und es wird nicht von den Rentnern verdient, sondern von denen, die aktiv sind. Unser eigener Egoismus muß uns dazu bringen, unsere Ansprüche zugunsten der Jungen zu reduzieren und auf Zukunftsinvestitionen zu setzen.“

Solche klaren Worte aus realer Einsicht lassen hoffen, denn eine große Gefahr besteht darin, daß die „Schuld“ für die Entwicklung schlechthin den „Politikern“ zugewiesen wird, die Rettung aber nur von einer völlig anderen Politik und einer anderen Art Staat erhofft wird. Dieser andere Staat kann dann bald wieder ein Staat sein, der die Freiheitsrechte für den Einzelnen und die Familien einengt. Nach 55 Jahren Erfahrung mit totalitärem Herrschaftssystem in der Mitte Deutschlands kann vor so einer Entwicklung nicht genug gewarnt werden. Es wird aber nicht leicht sein, bei der Abwehr der wachsenden Kriminalität, bei der Abwehr eines militanten Islamismus und angesichts der politischen Radikalisierung von Links- und Rechtsaußen die Freiheit zu bewahren.

Dieses Buch wurde geschrieben aus einer tiefen Sorge. Sollte es dazu beitragen, daß nur einem Teil der Folgen, vor denen gewarnt wird, durch rechtzeitiges und vorausschauendes Handeln die Spitze genommen wurde, dann ist das Buch nicht umsonst geschrieben worden.


Sinn, Hans-Werner: Ist Deutschland noch zu retten?


Weiss, V.: Brief am 7.2.2001 an Edmund Stoiber wegen Familienpolitik und Antwort darauf.

 

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